Tina Oelker

Die Welt ist eine Ananas, und in ihr wohnt ein Hase.

Prosa

1000 THESEN
Thesen auf Karteikarten | thesis on Index cards | English in description

Love goes voluntarily, and so it comes.

DIE WELT IST EINE ANANAS, UND IN IHR WOHNT EIN HASE.

Zum Anlass die Ananas, Bezeichnung für das Beste, für das Wahre und aus Höflichkeit, ist sie die Welt, und in ihr wohnt ein Hase.
Was für den einen kryptisch erscheint, ist für den anderen direkter Ausdruck von einer Komplexität, die sich kaum anders auszudrücken vermag, als durch die mehrdimensionale Sprache der Kunst. Es macht kaum Sinn, sein Leben dahingehend zu verschwenden, dieses oder jenes aufzuschlüsseln, so könnte man sich vielmehr einfach selbst einlassen. Ist die Auster einmal geknackt, braucht es keinen Code, für das, was man selbst schon ist, das Rätsel ist salonfähig, und wir bemerken, wir hatten uns zuvor schon verstanden, wenn sich jeder selbst aufmacht.

 

DIE ABSTRAKTION UND DIE MALEREI / EIN FRISCHES STATEMENT FÜR DIE DEBATTE

Die Abstraktion der Malerei ist ein Phänomen, welches Dilletanten (Liebhabern), Ein – und Aussteigern eine Künstlerkarriere ermöglicht. Weil man davon ausgeht, die Malerei selbst, ohne sie selbst wirklich verinnerlicht zu haben, abstrahieren zu können, entstehen mitunter hochmotivierte Pinselbewegungen auf riesigen Flächen. Anscheinend zum Glück mancher, ist die Fähigkeit der Übertragung künstlerischer Inhalte durch den Duktus* nicht für jeden erkennbar. Das Weglassen komplexer Bild- und Farbkompositionen zeugt von Hochbegabung. Minimalismus in einer Zeit der visuellen Übersättigung und Überreizung ist Zen und Segen und somit kostbar. Also ist man dankbar und nimmt sich kaum die Zeit, sein anfängliches Unbehagen zu hinterfragen, weil Ahnung von Kunst maßt man sich wegen der Nachbarn schon alleine nicht an. Man hält sich lieber zurück, bevor man eine Debatte über Kunst eröffnet, ohne sich wirklich auszukennen. Picasso, Dali, dann vielleicht noch Beuys oder Baselitz, dann hört es auch schon auf. Jeder ist ein Künstler, sagt man, und Erfolg gibt dem Künstler nun mal recht. Ende der Diskussion, ohne sie jemals begonnen zu haben.  / weiter lesen: Text_2022_Abstraktion

AUS DEM BUCH VON HASEN UND GÖTTERN

Elysium heißt´s und keiner weiß – wo all das begann – So verdoppeln wir den Ursprung auf drei und halten wachsam Ausschau – Zahlen zum Zweck der Nennung kümmern uns nicht – Die Zielscheibe liegt auf Eis – noch – doch man weiß nie – wann geschossen wird – Vielleicht schon bei zwei – Blumen für die Katze – Tom schlägt sich so durch – Der Hase war´s – und im Zeichen eins

my beating heart | hunting down | guardian or hunter – the content drives to the blossom | the killing to the meat – the fruit picked and eaten | swallowed the beast – carried on to the next brood – the one merges and gives birth to the new – the other cooks and dissolves the old – unthinkable and yet | we live both – the being is vital without the shot – life remains phenomenal – tally ho and out

queen for the night – king for the day

MAGAZINE FOR THE ARTS 
N° 01,235 | Newspaper | 2018 | Ausgabe für Zeit und Geld

HORTEN SIE IHR GELD, KARSTADT GEHT PLEITE

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der viel gibt. Der Hortende, der ständig Angst hat, etwas zu verlieren, ist psychologisch ein armer Habenichts, ganz gleich, wie viel er besitzt. Wer dagegen die Fähigkeit hat, anderen etwas von sich zu geben, ist reich.“ (Erich Fromm)
Zur Ausnahme und auf diese Weise ein Zitat, denn der Mann ist fromm wie gut. Die Übersetzung nun mehr nicht, eher so: Horten Sie ihr Geld, Karstadt geht Pleite. Geld an sich ist voll von Schuld, wir brauchen einen neuen Wechsel. Have some change! Kredit, Zins, und Schuld, wer ist es wert, beschenkt zu werden? Reden wir im nächsten Text einfach mal von Wert und bewerten nicht, denn das ist ein Magazin für die Kunst und die weiß vom Maß der Dinge. Es ist vielleicht weniger das Geld, was stört, es ist der Umgang und das Verständnis zur Schuld.

Die einen Erben Dinge und Verantwortung, die anderen Schulden und schlechtes Gewissen und umgekehrt. Es ist weder ungerecht noch gerecht, es gilt nicht der Vergleich, wenn doch viel mehr die Erkenntnis, die aus beidem wachsen kann. Letztendlich steht es jedem frei, sich zu lösen, entweder von den Dingen oder den Gedanken. Daß das Geld fiktiv ist und tatsächlich nur zum Zehntel existiert, stört kaum jemanden, und so erregt man sich lieber über Haben und nicht Haben, statt dem Sein. Am Ende steht jeder jedem in der Schuld, weil jeder zwar voll von Mißtrauen doch kaum an Erfahrung von der Schönheit des Gebens zu sein scheint. Jedoch, schaut man bei Zeiten noch mal rückwirkend genauer hin, erkennt man, daß doch jeder gibt was er kann, wenn auch unfreiwillig. Das Geheimnis, dies sofort zu erkennen, ist einfach: Man geht einfach davon aus.

LYRIK

DAS LEPORELLO @ 2014
German poetry in moving pictures
New York City, 2014 | 23:20 Min.
https://vimeo.com/90200764

Sprecher: Marie Biermann, Özlem Cetin, Sven Fricke, Esther Garben, Gunnar F. Gerlach, Eva Gabriel-Jürgens, Katja Kullmann, Rudi Kargus, Manuel Alec Klein, Florian Lienkamp, Laura Giannina Oelker, Tina Oelker, Michael Perlbach, Anja Riedel
Text, Konzept, Cast, Produktion, Film + Schnitt: Tina Oelker
Musik + Musikbearbeitung: Özlem Cetin
Musik: Manuel Alec Klein

 
DAS LEPORELLO
Hörprobe / Tina liest aus dem Leporello
2003 enstand Das Leporello als klassisches Faltblatt mit lyrischen Texten. 2014 wurde es in Hamburg vertont und in New York City verfilmt. 2016 erschien die erste Veröffentlichung in limitierter Auflage und ist mit seinen Inhalten seit jeher fester Bestandteil des Black Arts Club und der Gesellschaftsabende. Die ersten Mitglieder des Black Arts Club sind Freigeister des 20. Jahrhunderts und erscheinen als Porträtserie abwechselnd zu den Gesellschaftsabenden.
 
The Leporello was created in 2003 as a classic leaflet filled with Tina´s lyrics. In 2014 it was set to music in Hamburg and filmed in New York City. In 2016, the first official publication appeared in a limited edition and, with its contents, has always been an integral part of the Black Arts Club and social evenings. The first members of the Black Arts Club are free spirits of the 20th century and appear as a portrait series alternating with the social evenings.